Wenn im Aquarium die Hormone durchdrehen.

Die Balzphase

 

Die Balzphase bei Buntbarschen!

Und alle anderen Insassen quetschen sich in eine Ecke des Malawi-Beckens! Ein einzelnes Männchen aus dem Besatz nimmt 80 % der gesamten Beckengröße in Anspruch. Diese Erfahrung macht so mancher mit Malawisee-Buntbarschen.

Wir werden öfter angeschrieben zum Thema, dass ein einzelner Buntbarsch (Männchen) fast das ganze Malawi-Becken für sich beansprucht, und etliche sind verzweifelt, oder können diese Situation nicht einschätzen.

Eine Erklärung ist zwar einfach, aber nicht als Patentlösung anzusehen.

Die Balzphase – der Trieb

Wenn der normale Trieb eines Buntbarsches durchschlägt und sich dieser mit seinem Weibchen paaren will, so sprechen wir davon, dass ‚Die Balzphase‘ begonnen hat.

So kommt es häufiger vor, dass dieser alle anderen Fische aus diesem, seinem erwählten Revier verdrängt. Dies ist meistens als normal zu betrachten und dauert im Normalfall 2–3 Tage. Kann aber mitunter auch länger gehen.

Danach löst dieser sein Territorialverhalten auf und alle anderen Fische im Becken können sich wieder diesem Stein, dieser Ecke oder diesem Platz nähern.

Die meisten Nonmbuna zeigen dieses Verhalten nur während dieser Zeit, und besetzen eigentlich keine festen langfristigen Reviere. Bei Mbuna sieht das Ganze schon anders aus. Die meisten Mbuna (nicht alle Arten) setzen feste Spalten, oder Höhlen als Revier und verteidigen diese auch mitunter extrem.

Labidochromis-Arten wie z. B. der Labidochromis caeruleus ‚yellow‘ besetzen keine festen Reviere, sondern streifen immer umher und suchen sich zur Paarungszeit eine Spalte oder Höhle, wo er sich mit seinen Weibchen paart.

Die Balzphase
Sciaenochromis fryeri Männchen in aggressiver Balzstimmung!

Die Balzphase
Sciaenochromis fryeri Männchen!

Die Balzphase
Fossorochromis rostratus ‚Otter Point‘ Weibchen mit Nachwuchs.

Fossorochromis rostratus 'Otter Point'
Fossorochromis rostratus ‚Otter Point‘ beim Paaren.

Fossorochromis rostratus 'Otter Point' beim Paaren.
Fossorochromis rostratus ‚Otter Point‘ beim Paaren.

Fossorochromis rostratus 'Otter Point' beim Paaren.
Fossorochromis rostratus ‚Otter Point‘ beim Paaren.

Fossorochromis rostratus 'Otter Point' beim Paaren.
Fossorochromis rostratus ‚Otter Point‘ beim Paaren.
Die Balzphase bei Buntbarschen

Weiter zum Thema ‚Die Balzphase‘. Was soll man denn dann tun, wenn ein sagen wir, Copadichromis z. B. seine Balzzeit hat und alle anderen Fische in einen Teil des Aquariums verdrängt?

Grundsätzlich wäre es ratsam, mit Sichtschutz zu arbeiten, damit man zumindest dem ‚Männchen‘ die Sicht über das Malawisee-Aquarium in Teilen wegnimmt und einigermaßen versperrt. Je nach Art und Größe kann man als Basis die Größe eines ‚Pizzatellers‘ nehmen und sich dies vorstellen.

Dies ist natürlich rein ‚bildlich‘ gesprochen die Tabuzone, aber nicht immer, für alle anderen Buntbarscharten im Becken.

Ebenso wichtig und was wir auch immer wieder empfehlen, ist die Beckengröße. Für einen Copadichromis borleyi ‚kadango‘ der im Aquarium z. B. gut 15 bis 16 cm Körpergröße erreichen kann, manchmal auch mehr.

Hier sollte man auch eine Aquarium-Mindestkantenlänge von mindestens 250 cm stellen. Je mehr, desto besser.

Aber manchmal reicht eben auch dies nicht. Die Balzphase bei Buntbarschen ist unberechenbar, stark und auch lang. Man kann einiges abfedern, mit Sichtschutz, Gestaltung und Reviergrenzen, welche sich die Fische dann selbst setzen.

Vor dem Kauf!

Dies sollte man sich vor dem Kauf der Tiere genau überlegen und ebenso die Art der Zusammenstellung: Welche Buntbarschart passt mit welcher recht gut zusammen?

Welche Arten eher nicht?

Ein Patentrezept gibt es eigentlich nicht. Der eine Aquarianer von Malawisee-Buntbarschen pflegt einen Protomelas, der absolut entspannt ist, der nächste Aquarianer pflegt die gleiche Gattung und hat einen kleinen Diktator im Becken.

Die Einrichtung

Man sollte sich schon bei der Einrichtung des Malawisee-Beckens Sichtschutzzonen überlegen und einbauen, und die vorprogrammierte Situation wie hier im Beitrag der Titel ‚Die Balzphase‘ abzufedern.

Die Tiere reagieren einfach ’natürlich‘ in dieser Zeit der Paarungsphase und sind nicht absichtlich bösartig. Manchmal sollte man sich zurücknehmen und der Natur ihren Lauf lassen. Oftmals regelt sich ‚Die Balzphase‘ bei Buntbarschen von allein und dann kehrt wieder die entspannte Ruhe im Malawi-Becken ein.

Bis dann der nächste loslegt.

Buntbarsche herausnehmen?

Ich wurde schon oft gefragt, ob es nicht besser wäre, den ‚Tyrannen‘ aus dem Becken zu entfernen. Dazu kann ich nur sagen: Der nächste wird zu 100 % den Platz des alten irgendwann einnehmen. Damit ist die Situation unseres Titels ‚Die Balzphase‘ nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben!

Auch kam die Frage:

Soll ich das Männchen gegen ein anderes austauschen?

Dazu kann man nur sagen: Ja klar, kann man dies machen. Es kann auch sein, dass der Neue ein Lamm ist. Aber meistens sind die neu eingesetzten Buntbarsche im Aquarium, ohnehin in der Rangordnung, die unsere Buntbarsche unter sich ausmachen, meist an letzter Stelle.

Und wie bereits erwähnt, übernimmt dies eben ein anderer, aus dem vorhandenen Bestand. Kann auch passieren, dass der neu eingesetzte das Zepter direkt selbst übernimmt. Damit wäre dann auch nichts gewonnen!

Gedanken

Ich stehe auf dem Standpunkt, sich genau vorher Gedanken zu machen, welche Arten man sich zusammenstellt. Die Beckengröße ist absolut wichtig. Ich sage immer: ‚Du beabsichtigst, Dir ein 400‑Liter-Malawi-Becken einzurichten? – Mach am besten gleich 500 Liter daraus, wenn möglich‘.

Oder aber suche zumindest die Arten genau aus, die in diesem Becken leben sollen. Überlege und informiere Dich genau vorher, lass Dir Zeit und essenziell: Die richtige Beratung ist entscheidend.

Eine endgültige Patentlösung für einen balzenden Malawi-Buntbarsch gibt es nicht, aber es gibt die Möglichkeit, im Vorfeld einige Punkte zu beachten, und vor allem das Wissen, warum dies so ist, wie es ist.

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Autor: Florian Bandhauer

Bilder: Holger Oelkers, Walter Vázquez, Ale Nocetti

Video: Fabian Schorn

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